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2.1.08 Einstellen des Ventilspiels

Als Ventilspiel bezeichnet man den Luftspalt zwischen den Druckschrauben der Kipphebel und deren Druckflächen an den Schaftenden der Ventilschäfte. Eine regelmäßige Überprüfung des Ventilspiels ist bei allen Viertaktmotoren eine unbedingte Notwendigkeit, wenn die volle Leistungsfähigkeit und die Laufruhe des Motors erhalten bleiben sollen.

Besonders bei neuen Maschinen ist während der Einfahrzeit ein häufiges Nachprüfen des Ventilspiels wichtig.

Das Ventilspiel soll so klein wie möglich sein, womit jedoch nicht gesagt ist, daß ein großes Ventilspiel unbedingt schädlich ist. Zu großes Ventilspiel äußert sich jedoch deutlich durch unerwünscht lauten Gang (Rasseln). Je größer das Ventilspiel ist, desto größer wird auch die dadurch auftretende Stoßbeanspruchung, außerdem sinkt mit größer werdendem Ventilspiel die Leistung des Motors.

Als obere Grenze sind die von uns angegebenen Richtwerte zu betrachten, also
        Ventilspiel für Einlaßventil:    0,10 mm
        Ventilspiel für Auslaßventil:   0,15 mm.

Im allgemeinen wird man versuchen, unter diesen Werten zu bleiben, wobei zu beachten ist, daß das Spiel beim Auslaßventil (Auspuffseite) etwas größer als das Spiel beim Einlaßventil (Vergaserseite) einzustellen ist.

Die unterste Grenze für das Ventilspiel ist dann erreicht, wenn man die beiden Stoßstangen mit dem Finger ganz leicht drehen kann, ohne daß sich beim Bewegen der Kipphebel in Kipprichtung ein merkbares Spiel feststellen läßt.

Unterschreitet man diese unterste Grenze, so daß dann die Ventile nicht ganz schließen, so werden sie früher oder später verbrennen.

Zum Einstellen des Ventilspiels sind die beiden Ventilkammerdeckel abzunehmen, nachdem zuvor die je vier Deckelschrauben entfernt wurden. Sodann löst man mittels eines 11-mm-Schlüssels die Gegenmutter für die Druckschraube. Durch Verdrehen der Druckschraube (mittels 8-mm-Schlüssels) stellt man das gewünschte Spiel ein und zieht unter Festhalten der Druckschraube die Gegenmutter wieder fest an.

Bild 10 Kontrolle des Ventilspiels mittels Blattlehre
Bild 10 Kontrolle des Ventilspiels mittels Blattlehre
 
 
Bild 11 Kontrolle des Ventilspiels durch Drehen der Stoßstange
Bild 11 Kontrolle des Ventilspiels durch Drehen der Stoßstange

Zum Einstellen des Spieles benutzt man entweder die handelsüblichen Blattlehren (von 0,1 bzw. 0,15 mm Dicke, Bild 10), oder man stellt das Spiel in der beschriebenen Weise auf Drehen der Stoßstangen ein (Bild 11). Kontrolle des Ventilspiels durch Drehen der Stoßstangen, was jedoch einiges Gefühl und Vertrautheit mit der Maschine voraussetzt.

Bei neuen Maschinen geht man mit dem Ventilspiel zunächst an die obere Grenze, da die Ventile in ihren Sitzen noch etwas einhämmern und dadurch das Spiel eventuell wieder etwas verringert wird.

Danach wird kontrolliert, ob sich das Spiel beim Anziehen der Gegenmutter etwa wieder verändert hat, und gegebenenfalls wird nochmals nachgestellt.

Wichtig ist bei diesen Arbeiten, daß die beiden Ventile völlig geschlossen sind. Dies ist dann der Fall, wenn der Motor komprimiert, das heißt, das angesaugte Gas-Luft-Gemisch beim Aufwärtsgang des Kolbens verdichtet. Man braucht also nur durch Betätigen des Kickstarterhebels den Motor vor die Kompression zu stellen, dann sind beide Ventile mit Bestimmtheit geschlossen.

Man kann auch so vorgehen, daß man die Zündkerze herausschraubt und die Bewegung der Kipphebel beim Betätigen des Kickstarterhebels beobachtet. Man stellt sodann den Kolben auf den oberen Totpunkt, bei dem im Betrieb Kompression vorhanden wäre, und kann dann das Ventilspiel prüfen bzw. neu einstellen.

Alle diese vorstehend beschriebenen Arbeiten haben bei kaltem Motor zu erfolgen. Nach erfolgter Ventileinstellung dürfen die vier Muttern, die den Zylinderkopf festziehen, nicht mehr angezogen werden.

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