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3.6 Seitenwagenbetrieb

Das Gespannfahren erfordert gegenüber dem Solofahren eine grundsätzlich andere Fahrtechnik, da das Gespann ein Zweispurfahrzeug ist und richtig "gelenkt" werden muß, während die Solomaschine als Einspurfahrzeug mehr oder weniger mit dem Körper des Fahrers dirigiert wird.

Aus diesem Grunde kann man als ausgesprochener Solofahrer auch nicht unmittelbar auf eine Seitenwagenmaschine umsteigen und dieses Gefährt nun gleich mit derselben Fertigkeit fahren wie vordem die Solomaschine. Das Fahren mit dem Gespann muß vielmehr von Grund auf neu erlernt werden.

Wenn man jedoch ein Seitenwagengespann vollkommen beherrscht, wozu einige Fahrpraxis gehört, so bietet es nicht zu unterschätzende Vorteile. Das sind vor allem seine große Fahrsicherheit und Lenksicherheit, die besonders auf winterlich glatten und regennassen Straßen zur Geltung kommen. Daneben spielt auch die größere Beförderungsmöglichkeit für Personen und Gepäck bei gleichen Ausgaben für Steuer und Versicherung eine Rolle.

Demgegenüber steht die Tatsache, daß die Wendigkeit infolge der Größe des Gespanns natürlich etwas geringer ist, daß die erreichbaren Geschwindigkeiten niedriger liegen und daß der Verbrauch ansteigt.

Das Gespannfahren, besonders das Kurvenfahren, übt man am besten auf einem freien Platz. Jedem Gespannfahrer ist die Tatsache bekannt daß das Seitenwagenboot in Rechtskurven "hochkommt" (vorausgesetzt, daß der Seitenwagen rechts angeschlossen ist). Das beruht eben darauf, daß das Gespann ein unsymmetrisches Fahrzeug ist. Man muß dieses "Hochkommen" des Seitenwagens systematisch üben, um im Fahrbetrieb das Gefühl dafür zu bekommen, was man dem Fahrzeug beim Kurvenfahren zumuten kann.

Im übrigen ist das Hochkommen des Seitenwagens nicht so gefährlich, wie es aussieht; er kommt auch wieder herunter, man muß nur Bescheid wissen und nicht erschrecken!

Außer beim Kurvenfahren hat auch beim Bremsen und Beschleunigen der Seitenwagen einen Einfluß, indem er beim Beschleunigen nach rechts zieht, beim Bremsen dagegen nach links schiebt. Man kann sich diese Eigenschaften beim Kurvenfahren weitgehend nutzbar machen. Beim Anfahren von Rechtskurven wird das Fahrzeug abgebremst und in der Kurve etwas beschleunigt, so daß die Maschine gewissermaßen um den Seitenwagen herumläuft. Linkskurven dagegen kann man etwas schärfer anfahren und bremst dann in der Kurve ab. Da das Seitenwagenrad jedoch nicht mitgebremst wird, versucht der Seitenwagen, seine ursprüngliche Bewegung beizubehalten, und läuft so um die Maschine herum.

Die Forderung, beim Bremsen möglichst Hand- und Fußbremse gleichzeitig zu benutzen, gilt in besonderem Maße für den Seitenwagenbetrieb.

Wenn man die Möglichkeit dazu hat, sollte man mit einem Gespann nach der Seitenwagenseite, also nach rechts wenden. Dabei ist der Wendekreis erheblich kleiner als nach links. Auch die Beanspruchungen des Fahrzeugrahmens sind geringer, vor allem, wenn aus dem Stand heraus angefahren wird.

Noch eine Kleinigkeit: Der Seitenwagensitz läßt sich hochklappen. Man braucht also beim Einsteigen nicht unbedingt erst auf den Sitz zu treten!

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