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4.11 Ratgeber bei Störungen

Unter den nachfolgenden Punkten 1....12. sind eine Reihe von Fehlermöglichkeiten angegeben, die die Ursachen von eintretenden Betriebsstörungen sein können. Sie sollen dem weniger erfahrenen Fahrer als Anhalt bei der Fehlersuche dienen. Es ist wichtig, daß man sich eine Systematik bei der Fehlersuche angewöhnt, zu der nicht etwa besondere Sachkenntnis und Erfahrung gehören. Diese Systematik besteht darin, daß man die Hauptfehlermöglichkeiten Schritt für Schritt untersucht, bis man zu der Stelle kommt, an der der Fehler liegt. Man ist dann in der Lage, auch bei unerwartet auftretenden Störungen die Fehlersuche erfolgreich durchzuführen.

Zeigt die Maschine ein abnormales Verhalten, springt also beispielsweise der Motor schlecht oder gar nicht an, schlägt er zurück oder kommt er nicht auf volle Leistung, so gibt es meist zwei Möglichkeiten:

Die Ursache liegt entweder auf dem Kraftstoffweg oder auf dem Zündweg.

Man untersucht also zunächst ganz systematisch die Kraftstoffzufuhr vom Kraftstoffhahn des Kraftstoffbehälters bis zum Ansaugstutzen am Zylinderkopf. Ist auf diesem Wege alles in Ordnung, dann liegt der Fehler wahrscheinlich an der Zündung. Auch hier geht man wieder ganz systematisch vor, indem man bei der Zündkerze beginnt und entsprechend den Stromweg schrittweise untersucht, bis man den Fehler gefunden hat.

Voraussetzung bei dieser Art der Fehlersuche ist lediglich, daß man die nötige Ruhe und Überlegung aufbringt und auf dem vorgezeigten Weg tatsächlich schrittweise vorgeht, ohne eine Stelle auszulassen.

  1. Motor springt nicht an.
  2. Beim Niederdrücken des Vergasertupfers läuft kein Kraftstoff über:
    1. kein Kraftstoff im Kraftstoffbehälter,
    2. Kraftstoffhahn geschlossen bzw. nicht auf Reserve geschaltet,
    3. Kraftstoffilter im Kraftstoffhahn verschmutzt; Filter ausbauen und reinigen.
    4. Kraftstoffzuleitung vom Kraftstoffhahn zum Schwimmergehäuse verstopft:
      Kraftstoffleitung abnehmen und reinigen.
    Beim Niederdrücken des Vergasertupfers läuft Kraftstoff über:
    1. Zündung nicht eingeschaltet,
    2. Düse verschmutzt; Düse herausschrauben und reinigen,
    3. Kerze ist naß; Motor durch zu häufiges Niederdrücken des Vergasertupfers, besonders bei warmem Motor, ersoffen: Kerze herausschrauben und trocknen, Kraftstoffhahn schließen, Drehgriff voll öffnen und mehrfach mit dem Kickstarterhebel zwecks Entlüftung durchtreten, dann Kerze wieder einschrauben und Motor ohne Betätigung des Tupfers antreten.
    Zündkerze zeigt keinen Funken: Eine Kontrolle der Kerze auf ihre Funktion erfolgt in der in Bild 47 dargestellten Weise, indem man auf die herausgeschraubte Kerze das Zündkabel aufsteckt, den Kerzenkörper an den Motor anlegt und in Schaltstellung 2 den Kickstarter betätigt, wobei zwischen den Elektroden kräftige Zündfunken überspringen müssen. Springen keine Funken über:
     
    Bild 47 Zündkerze prüfen
    Bild 47 Zündkerze prüfen
    1. Unterbrecherhammer hebt nicht ab.
    2. Unterbrecherkontakte zu stark oder völlig abgebrannt, verölt oder verschmutzt,
    3. Unterbrecherhammer hängt,
    4. Unterbrecherfeder gebrochen,
    5. Zündkabel, Zündspule oder Kondensator defekt. (Zündschloß auf beschädigten Kurzschlußkontakt untersuchen, Kurzschlußkabel hat Masseschluß);
    6. Magnet liefert keinen Zündstrom:
      Man entfernt den Zündkerzenstecker vom Zündkabel und hält das Kabel, am isolierenden Gummi anfassend, 3...4 mm vom Zylinderkopf ab. Beim Betätigen des Kickstarters muß an dem entstehenden Luftspalt bei eingeschalteter Zündung (Schaltstellung 2) ein Funke überspringen. Springen bei der geschilderten Prüfung Funken über und sind Fehler nach den vorstehenden Punkten nicht festzustellen, dann ist der Motor wahrscheinlich zu kalt. Bei großer Kälte springen alle Kraftfahrzeugmotoren schlechter an als bei Normaltemperatur. Das wird einerseits daher verursacht, daß sich der Starter infolge des mit sinkender Temperatur steifer werdenden Motor- und Getriebeöls weniger leicht betätigen läßt, wodurch die Intensität des Zündfunkens und die Ansauggeschwindigkeit nachlassen, und daß andererseits der Kraftstoff schlechter vergast und sich in Tropfenform im Verbrennungsraum niederschlägt, wobei unter Umständen auch die Zündkerze naß wird und somit überhaupt keine Zündung mehr erfolgen kann. Dann muß folgendes geschehen: Bei geschlossenem Kraftstoffhahn und voll geöffnetem Gasschieber ist der Starter mehrfach zu betätigen, um eine gewisse Leichtgängigkeit der gleitenden und drehenden Teile zu erreichen. Die Zündkerze ist herauszuschrauben und gut angewärmt wieder einzusetzen, worauf bei reichlich geflutetem Vergaser das Starten in üblicher Weise vorgenommen wird. Die Bildung eines zündfähigen Gasgemisches kann durch Vorhalten eines angewärmten oder benzingetränkten Lappens vor das Ansaugfilter unterstützt werden. Es empfiehlt sich außerdem, kurz vor Ende einer Fahrt den Kraftstoffhahn zu schließen und den Vergaser leerlaufen zu lassen. Man hat dann beim Start frischen Kraftstoff im Vergaser und entgeht der Gefahr, daß die leicht siedenden Teile des Kraftstoffs während des Abkühlens der Maschine verdampfen. Außerdem nicht vergessen, rechtzeitig auf dünnflüssiges Winteröl umzustellen!
  3. Motor springt schwer an.
    1. Anwerfdrehzahl zu niedrig: Starter kräftiger betätigen.
    2. Gasschieber zu weit geöffnet.
    3. Elektrodenabstand der Zündkerze zu groß: Abstand durch Anbiegen der Masseelektrode verringern.
    4. Zündkerze verschmutzt oder verbraucht: Kerze reinigen oder durch neue ersetzen.
    5. Unterbrecherkontakte verschmutzt bzw. falscher Abstand: Unterbrecher reinigen und neu einstellen.
    6. Magnet entmagnetisiert: vom IKA-Elektrodienst aufmagnetisieren lassen.
    7. Motor hat zu wenig Kompression: Ventilspiel prüfen, Werkstatt aufsuchen zwecks Untersuchung von Kolben, Kolbenringen, Zylinder, Ventilen usw.
  4. Motor bleibt nach wenige Zündungen wieder stehen.
    1. Kraftstoffilter im Kraftstoffhahn verschmutzt: Filter abnehmen und reinigen.
    2. Schwimmergehäuse am Vergaser verschmutzt; Düsen verstopft: Schwimmergehäuse und Düsen reinigen.
  5. Motor patscht durch den Vergaser.
    1. Gemisch ist zu arm, Kraftstoffzulauf infolge verschmutzter Zuleitung bzw. verstopfter Vergaserbohrungen behindert, Kraftstoffilter verschmutzt.
    2. Motor erhält Nebenluft:
      Man merkt dies daran, daß der Leerlauf immer unregelmäßiger wird, daß der Motor beim Gasgeben zeitweise ganz aussetzt und nur bei Vollgas noch annähernd die normale Leistung zeigt. Patschen und Niesen des Vergasers ist auf Kraftstoffmangel zurückzuführen. Kraftstoffmangel ist aber gleichbedeutend mit Luftüberschuß, wobei sich überschüssige Luft durch irgendwelche undichte Stellen in den Zylinder einschleicht (Nebenluft). Man untersucht deshalb zunächst die Vergaserbefestigung am Zylinderkopf und die Vergaserflanschdichtung. Es kann auch unzulässiges Spiel der Ventilführung des Einlaßventils die Ursache sein bzw. eine undichte Zylinderkopfdichtung. Auch undichte Zündkerzendichtungen, lockere Überwurfmutter am Schiebergehäuse, abgenutzter Gasschieber und Lockern der Zuganker sind unter anderem für das Eindringen von Nebenluft verantwortlich.
    3. Wasser im Vergaser:
      Schwimmergehäuse abschrauben und reinigen, Kraftstoffilter reinigen.
    4. Einlaßventil hängt; Ventil ausbauen, reinigen und eventuell Freßstellen beseitigen.
    5. Ventilfeder am Einlaßventil gebrochen: Feder durch neue ersetzen.
    6. Zündung verstellt: Zündpunkt neu einstellen (siehe Seite 80).
    7. Zündkerze verbraucht, falscher Elektrodenabstand, falscher Wärmewert der Kerze (zu hoch oder zu niedrig).
    8. Kondensator oder Zündspule defekt.
    9. Luftfilter abgenommen.
  6. Motor schlägt beim Antreten zurück.
    1. Fliehgewichte der selbstregelnden Zündverstellung hängen: Magnetzünder vom IKA-Elektrodienst überprüfen lassen.
    2. Zündung verstellt: Zündpunkt neu einstellen (siehe Seite 80).
  7. Motor setzt auf der Fahrt stoßweise aus.
    1. Motor erhält keinen Kraftstoff: Umschalten auf ,,Reserve", Vergaser, Düsen, Kraftstoffleitungen und Filter reinigen.
    2. Zündung setzt aus: Kerze und Zündanlage kontrollieren, Zündkabel locker.
    3. Unterbrecherfeder gebrochen, Unterbrecherhammer gebrochen oder Kontaktmaterial abgefallen.
    4. Kondensator defekt.
  8. Motor klingelt bei langsamer Fahrt und bei Geschwindigkeitssteigerung.
    1. Ungeeigneter Kraftstoff (zu niedrige Oktanzahl).
    2. Fahren mit zu niedriger Motordrehzahl: zurückschalten.
    3. Fliehgewichte der automatischen Zündverstellung hängen in Stellung Frühzündung: Abstellen durch IKA-Elektrodienst.
  9. Motor läuft gleichmäßig, kommt jedoch nicht auf Volleistung.
    1. Düse verstopft: Düse reinigen.
    2. Ungeeigneter Kraftstoff.
    3. Bremsen liegen an: Einstellschrauben etwas lösen, bis die Räder frei drehen.
    4. Zündkerze verbraucht: durch neue ersetzen.
    5. Luftfilter stark verschmutzt: Filter mit Kraftstoff auswaschen und neu einölen.
    6. Zündung verstellt: Zündpunkt neu einstellen (siehe Seite 80).
    7. Ventilspiel zu klein eingestellt: Spiel auf Normalmaß bringen (s. Seite 20).
    8. Ventilsitze undicht: Ventile reinigen und nötigenfalls einschleifen (siehe Seite 84).
    9. Kolbenringe kleben in den Nuten fest: Zylinder abbauen, Ringe gängig machen.
    10. Gemisch zu fett: Schwimmernadel hängt, Nadelsitz ausgeschlagen.
    11. Verschleiß der Zylinderlaufbahn bereits weit fortgeschritten: Zylinder Ausschleifen und Übermaßkolben einsetzen.
  10. Motor bleibt beim Ausschalten der Zündung nicht stehen. Kurzschlußleitung unterbrochen: Kraftstoffhahn schließen und Gas geben, bis Motor stehen bleibt, Leitungsunterbrechung suchen. Zündschloß auf beschädigten Kurzschlußkontakt untersuchen.
  11. Motor läuft beim Abstellen erst nach einigen metallisch harten Zündungen aus.
    1. Glühzündungen infolge Verwendung einer Kerze mit zu niedrigem Wärmewert: Kerze gegen solche mit vorschriftsmäßigem Wärmewert austauschen.
    2. Glühzündungen infolge Ölkohleansatzes an der Kerze oder eines anderen Kerzenfehlers: Kerze reinigen und prüfen.
    3. Glühzündungen infolge Ölkohleansatzes an Kolbenboden, Ventilen oder Zylinderkopf: Ölkohle gründlich beseitigen.
    4. Motor zu heiß infolge zu mageren Gemisches: Vergaser und Filter reinigen, Düsennadel höher hängen, größere Düse einsetzen.
  12. Ladekontrollampe im Scheinwerfer leuchtet während der Fahrt auf oder flackert.
  13. Die Ladekontrollampe muß bei Fahrt ohne Licht bei folgenden Geschwindigkeiten erlöschen:
    1. Gang: 9 km/h, 2. Gang: 18 km/h, 3. Gang 24 km/h, 4. Gang: 32 km/h. Bei Seitenwagenübersetzung im 4. Gang bei 27 km/h.
    Bei Fahrt mit Licht muß sie spätestens verlöschen:
    1. Gang: 15 km/h, 2. Gang: 25 km/h, 3. Gang: 35 km/h, 4. Gang: 45 km/h.
    Es liegen Störungen an Regler oder Lichtmaschine vor, wenn die Kontrollampe oberhalb dieser Geschwindigkeiten aufleuchtet: Abstellung nur durch den IKA-Elektrodienst.
  14. Motor zeigt Ölaustritt an den Trennfugen.
    1. Die Motorgehäuseentlüftung ist verstopft: Hält man die Hand vor das Entlüftungsrohr unter dem Motorgehäuse, so muß bei Leerlauf das kräftige Pulsieren des Luftstroms zu fühlen sein. Erforderlichenfalls Rohr reinigen.
    2. Zugankermuttern für Zylinderkopf bzw. Befestigungsschrauben für Zylinderkopfdeckel sind lose: Muttern und Schrauben nachziehen.
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