zum vorherigen Abschnitt

5.5.15 Seitenwagen anbauen

Ein Teil der AWO-Maschinen wird direkt ab Werk mit angeschlossenem Seitenwagen geliefert. Wer sich von vornherein für eine Seitenwagenmaschine entschieden hat, erhält das "AWO-Gespann" komplett geliefert.

Darüber hinaus möchte sich jedoch mancher Fahrer, der die AWO bisher als Solomaschine gefahren hat, einen Seitenwagen anbauen. Für diesen Fall sind nachfolgende Hinweise zu beachten:

Als Seitenwagen kommt ausschließlich der bekannte Stoye-Seitenwagen in Frage, der an drei Stellen des Rahmens mittels Schnellanschlüssen befestigt wird (sog. Dreipunktanschluß).

Dazu müssen zunächst an den Rahmen entsprechende Anschlüsse angeschweißt werden. Um die Gewähr zu haben, daß die Anschlüsse in richtiger Stellung und ohne Schädigung des Rahmens angebracht werden, empfehlen wir, das Anschweißen der Anschlüsse ausschließlich in unseren Fertigungswerkstätten vornehmen zu lassen. Zu diesem Zweck ist der Rahmen an uns einzusenden. Er wird bei dieser Gelegenheit nach dem Schweißen neu lackiert, und der Kunde hat die Gewähr für einwandfreie Ausführung der Arbeiten.

Die DHZ Maschinen- und Fahrzeugbau, Eisenach, erhält ebenfalls Rahmen, die mit Seitenwagenanschlüssen versehen sind. Gegebenenfalls kann man sich also zwecks Erlangung eines Seitenwagenrahmens auch an eine Vertragswerkstatt wenden, die ihrerseits denselben bei der DHZ anfordert.

In vielen Fällen werden jedoch Seitenwagenrahmen bei den Vertrageswerkstätten vorrätig sein.

Außer dem Anschweißen der Seitenwagenanschlüsse ist eine Änderung der Übersetzung im Hinterradantrieb vorzunehmen und der innere Mitnehmer und das Schneckenrad zum Antrieb des Tachometers auszuwechseln.

Die Änderung der Übersetzung im Hinterradantrieb geschieht durch Auswechseln von Ritzel und Tellerrad gegen entsprechende Teile für Seitenwagenbetrieb.

Diese Arbeiten sind nur von einer Vertragswerkstatt oder vom Herstellerwerk auszuführen, da hierzu Spezialwerkzeuge erforderlich sind und die Ausführung der Arbeiten Fachkenntnisse erfordert.

Der Strom für die Positionslampe des Seitenwagens wird von dem Kabel abgenommen, das zum Rücklicht führt (Kabel 58). Das geschieht, indem man das Kabel an einer günstigen Stelle anzapft und die Leistung unter Zwischenschaltung eines Steckers zum Seitenwagen führt. Die Zapfstelle ist möglichst zu löten.

Einstellung des Seitenwagens

Ein Seitenwagengespann soll sich genau so gut freihändig fahren lassen, also geradeaus laufen, wie eine Solomaschine. Dies ist ausschließlich eine Sache der Einstellung des Seitenwagens, also von Sturz und Vorspur. Daneben spielt auch die Voreilung eine Rolle, das ist der Betrag, um den die Achse des Seitenwagenrades gegenüber der Achse des Hinterrades nach vorn verschoben ist (Bild 80).

Bild 80 Einstellung des Seitenwagens (Voreilung)
Bild 80 Einstellung des Seitenwagens (Voreilung)

Als Sturz (Bild 81) bezeichnet man die Neigung des Seitenwagenrades zu der in A und der des Kraftradhinterrades zu der in B errichteten Senkrechten.

Bild 81 Einstellung des Seitenwagens (Sturz)
Bild 81 Einstellung des Seitenwagens (Sturz)

Die Vorspur wird nach Bild 82 so gemessen, daß man die Maschinenlaufräder und an das Seitenwagenrad je eine 2 m lange Meßlatte legt und feststellt, um wieviel die Meßlatten hinter dem Hinterrad weiter auseinanderliegen als auf der Höhe des Vorderrades. Vorspur und Voreilung können bei dem AWO-Seitenwagen nicht verändert werden.

Bild 82 Einstellung des Seitenwagens (Vorspur)
Bild 82 Einstellung des Seitenwagens (Vorspur)

Da jedoch die Seitenwagenanschlüsse durch Verwendung entsprechender Vorrichtungen stets in derselben Stellung angeschweißt werden, ist eine Reguliermöglichkeit nicht erforderlich.

Die Vorspur des Seitenwagens beträgt dabei etwa 15 mm, was sich als günstigster Wert erwiesen hat.

Durch die unsymmetrische Anbringung des Seitenwagens bremst dieser mit seinem Luft- und Rollwiderstand und möchte dadurch die Maschine nach einer Seite hinüberziehen. Durch die Vorspur läuft das Seitenwagenrad etwas nach innen, entgegengesetzt zur Richtung der bremsenden Kräfte, und drückt gewissermaßen gegen die Maschine. Dadurch tritt ein Ausgleich ein, und die Maschine läuft geradeaus.
Der Sturz verstärkt diese Wirkung und verringert außerdem das durch die Vorspur bedingte Radieren des Reifens.
Der Sturz kann durch Verstellen der Knebelmutter am mittleren Ausleger verändert werden.

Neigt das Gespann dazu, nach dem Seitenwagen einzubiegen, so gibt man mehr Sturz, zieht es vom Wagen weg, so gibt man weniger Sturz.

zum nachfolgenden Abschnitt